The New Identity Perimeter: Non-Human Identities in Microsoft Entra ID
Nicht jeder Administrator in eurem Tenant ist ein Mensch. Service Principals, App Registrations und Agent Identities halten Berechtigungen, die ganze Umgebungen kontrollieren können – und die meisten Organisationen haben keine Übersicht darüber. Dieser Beitrag fasst die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Playbook “The New Identity Perimeter” zusammen und zeigt, wie Non-Human Identities (NHIs) in Microsoft Entra ID governance-gerecht abgesichert werden.
Das Problem: Shadow Admins unter der Oberfläche
Die sichtbaren Human Admins sind nur die Spitze des Eisbergs. Darunter liegt eine wachsende Schicht von Shadow Admins – Service Principals und App Registrations mit weitreichenden Berechtigungen, die oft undokumentiert und unüberwacht existieren.
Ein prominentes Beispiel: Beim Midnight Blizzard Angriff 2024 nutzten Angreifer eine Legacy-App mit bestehenden Zugriffsrechten in einem unverwalteten Test-Tenant, um sich lateral zu bewegen und die produktive Umgebung zu kompromittieren.
Warum MFA für Non-Human Identities nicht funktioniert
Das klassische Sicherheitsparadigma “Security = MFA” ist für Non-Human Identities ein totes Konzept. MFA basiert auf Latenz und interaktiven Challenges – beides Dinge, die bei AI Agents und Workload Identities schlicht nicht existieren. Diese Identitäten agieren schneller als jeder menschliche Operator.
Die neue Realität erfordert deterministische, automatisierte Policy-Durchsetzung, die nicht auf einen menschlichen Prompt angewiesen ist.
Die Access Equation: Subject vs. Target
Conditional Access steht als Policy-Gatekeeper direkt zwischen zwei Seiten:
| Subject (Apps & Agents) | Target (Resources) |
|---|---|
| Service Principals | Microsoft Graph APIs |
| Copilot Studio Agents | SharePoint Sites |
| Third-Party SaaS Integrations | Exchange Online |
Die Identität, die aktiv Zugriff anfordert (Subject), wird gegen die passive Ressource (Target) geprüft – und Conditional Access entscheidet dazwischen.
Das Application Permission Paradox
Hier liegt einer der gefährlichsten Fallstricke:
- Delegated API Permissions: Die App agiert im Namen eines angemeldeten Benutzers. Der Blast Radius ist auf den Scope des Users beschränkt.
- Application Permissions: Die App agiert als sie selbst, ohne Benutzerkontext.
Warnung: Eine App mit
Files.ReadWrite.AlloderSites.FullControl.Allvia Application Permissions ist de facto ein Shadow Admin mit der Fähigkeit zum vollständigen Tenant-Kompromittierung.
Die 3-Tier Agent Identity Hierarchy
Im Zeitalter von AI Agents braucht es eine klare Hierarchie:
- Agent Blueprint – Das statische Template. Lebt in einem Tenant und definiert, wie sich der Agent verhalten soll.
- Blueprint Principle – Der Identity-Anker. Repräsentiert das Blueprint innerhalb jedes deployen Tenants. Berechtigungen, die hier vergeben werden, kaskadieren nach unten.
- Agent Identity – Die laufenden Instanzen. Die tatsächlichen Entitäten, die sich authentifizieren, Tasks ausführen und Tenant-Logs generieren.
Required Resource Access (RRA) ist kein Grant
Ein häufiges Missverständnis: Admins nehmen an, dass das Hinzufügen von Berechtigungen zum Required Resource Access (RRA) eines Agent Blueprints automatisch Zugriff gewährt. Das tut es nicht. RRA ist lediglich ein Signal, was der Agent benötigt – echter Zugriff erfordert expliziten dynamischen Consent. Berechtigungen auf dem Blueprint Principle kaskadieren nur dann zu Agent Identities, wenn die Zielressource explizit als vererbbare Ressource konfiguriert ist.
Conditional Access als Zero Trust Policy Engine
Conditional Access fungiert als deterministische Policy Engine, die nach erfolgter Erst-Authentifizierung greift:
Signals (IF): Agent/App Identity, IP Location Ranges, Device State, Entra ID Protection Risk
Decisions (THEN): Allow oder Block
Die Entscheidung fällt auf Basis evaluierter Signale, bevor die App jemals die Ressource erreicht.
Der fundamentale Unterschied: Challenge vs. Block
| Human Identities | App / Agent Identities | |
|---|---|---|
| Policy Response | Challenge State | Missing State |
| Mechanismus | MFA, Compliant Device, Terms of Use | Keine interaktive Challenge möglich |
| Konsequenz | “Grant Access, but Verify” | Nur deterministische Signale |
Das Verdict: Für Non-Human Identities ist die primäre, empfohlene Conditional Access-Kontrolle BLOCK.
Die Architektur des Instant Block
Ein reiner Block bei Token-Ausstellung reicht nicht. Continuous Access Evaluation (CAE) überwacht aktive Agent-Sessions in Echtzeit. Bei anomalem Verhalten wird die laufende Session sofort unterbrochen – nicht erst beim nächsten Token-Refresh.
Diese Entscheidung wird durch ein Unified Risk Model gespeist, das Signale aus Entra (Identity), Defender (Endpoint) und Purview (Data) zusammenführt.
Credential Sprawl: Die Wurzel des Übels
Die überwiegende Mehrheit von App-Kompromittierungen und Ausfällen beginnt mit einem vergessenen Client Secret oder einem abgelaufenen Zertifikat. Traditionelle Zugriffskontrollen tun sich schwer, Credential-Ablauf zu tracken. Secrets landen in E-Mails oder sind in Skripten hardcodiert.
Die zentrale Frage bleibt: Wem gehört diese App eigentlich, und ist ihr Zugriff noch gerechtfertigt?
Die Lösung: Managed Identities
Der sofortige Weg weg von manuellen Secrets führt zu Managed Identities. Durch deren Einsatz übernimmt Entra ID intrinsisch das Lifecycle-Management, die Rotation und die Sicherheit der Identität einer Applikation. Das eliminiert den operativen Overhead von Zertifikats-Tracking und entfernt das Risiko von hardcodierten Secrets vollständig.
Cross-Tenant Governance nicht vergessen
Organisationen sichern ihren primären Tenant, ignorieren aber hunderte unverwalteter Test-Tenants, die über einfache Azure-Subscriptions erstellt wurden. Microsoft selbst hat intern 7 Millionen solcher Tenants entdeckt.
Related Tenants Discovery nutzt B2B Sign-in Logs und Multi-Tenant App Consents, um die unbekannte organisatorische Exposure automatisch zu mappen.
Die Golden Configuration definiert eine Baseline, die aktiv über 200 Ressourcentypen in Entra und Intune auf Policy-Drift überwacht – alle 6 Stunden.
Der 6-Monats Governance Blueprint
| Phase 1: Discover & Audit | Phase 2: Transition & Vault | Phase 3: Enforce & Monitor |
|---|---|---|
| Monate 1–2 | Monate 3–4 | Monate 5–6 |
| App Governance Accelerators deployen, um über-berechtigte Shadow Admins und ungetrackte Related Tenants zu finden | Kritische operative Applikationen zu Managed Identities migrieren, alle Legacy Secrets vaulten | Conditional Access Optimization Agent deployen, strikte Block-Policies für riskante Agent IDs, Golden Configuration Baseline etablieren |
Fazit: Ein Unified Risk Model für die AI-Ära
Die Absicherung des App-to-Resource-Pfads ist kein reines IAM-Problem mehr – es ist der Kern moderner Infrastruktur. Durch explizites Verifizieren von Non-Human Identities, Durchsetzen von Least Privilege über vererbbare Ressourcen und die Annahme von Breach via Continuous Access Evaluation und Block-Policies können Organisationen die Geschwindigkeit von Agentic AI sicher freischalten.
Das erfordert ein Unified Risk Model über drei Säulen:
- Identity (Entra)
- Endpoint (Defender)
- Data (Purview)
Das vollständige Playbook ist als PDF verfügbar.